Luma-Einblicke

Auszahlungsprofile vs. Produktbezeichnungen: Die neue Logik hinter Entscheidungen bei strukturierten Anlagen

Dieser Artikel erschien in Agefi FINANCE.

By Tara York, Leiterin EMEA, Luma Financial Technologies

Mit einer jahrzehntelangen Tradition im Bereich strukturierter Anlagen ist die Schweiz heute das weltweit führende Zentrum für strukturierte Produkte. Das Wachstum und die Stabilität dieses Marktes belegen die überzeugenden Vorteile, die diese hybriden Finanzinstrumente Anlegern bieten – insbesondere hinsichtlich Diversifizierung, Flexibilität und Individualisierung. Auf dem Schweizer Markt ist ein deutlicher Wandel zu beobachten: Anleger konzentrieren sich bei ihren Anlageentscheidungen zunehmend auf Renditeprofile anstatt auf Produktkategorien.

Der Schweizer Markt für strukturierte Produkte verzeichnet weiterhin Wachstum. Der Umsatz wird bis 2025 um fast ein Fünftel auf über 235 Milliarden CHF steigen. Die anhaltende Attraktivität strukturierter Produkte in der Schweiz spiegelt ihre Bedeutung als Quelle für Renditediversifizierung und risikoadjustierte Erträge wider. In diesem Markt entfallen 50 % des Umsatzes auf den Bereich der Renditeoptimierung, gefolgt von Hebelprodukten mit 26 %. Dies unterstreicht die kontinuierliche Nachfrage der Anleger nach diesen vielseitigen und hochgradig individualisierbaren Lösungen. Indem sie Anlegern ermöglichen, ein Gleichgewicht zwischen Gewinnpotenzial und Risikobegrenzung zu finden, haben sich strukturierte Produkte zu einem taktischen Instrument entwickelt, das ihnen auch in unvorhersehbaren Marktphasen ein sicheres Investieren ermöglicht.

Die Wahl zwischen verschiedenen Produktkategorien – Anleihen, Zertifikaten oder Fonds – war traditionell der Ausgangspunkt für Anleger, die in diese Produkte investieren wollten. Jede dieser Kategorien wurde als eigenständiges strukturiertes Produkt mit spezifischen operativen Prozessen, Vertriebskanälen und regulatorischen Vorgaben behandelt, selbst wenn die zugrunde liegende Auszahlungslogik ähnlich war. Dieser Ansatz ändert sich jedoch, da Anleger weniger Wert auf die Produktbezeichnung legen und sich mehr für die tatsächliche Wirkung interessieren. Anders ausgedrückt: Die Auszahlungsprofile rücken in den Vordergrund, nicht die Produktbezeichnung.

Herausfordernde Märkte und erhöhte Transparenz als Triebkräfte des Wandels

Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist das anspruchsvollere Marktumfeld: Höhere Volatilität, Zinsänderungen, Inflationsdruck und eine stärkere Streuung der Renditen über verschiedene Anlageklassen hinweg haben das Bewusstsein der Anleger für Abwärtsrisiken und Renditeasymmetrien geschärft. Daher konzentrieren sie sich nun verstärkt darauf, wie Renditen generiert werden und unter welchen Bedingungen Verluste auftreten können.

Mehr Transparenz und die verbesserte Vergleichbarkeit strukturierter Produkte treiben diesen Wandel im Anlegerverhalten voran. In der Schweiz beispielsweise haben die SIX Swiss Exchange und die Swiss Structured Products Association gemeinsam mit anderen Branchenakteuren große Fortschritte bei der Standardisierung von Produktklassifizierungen, der Erhöhung der Transparenz und der Schaffung klarerer Preisstrukturen erzielt. Moderne Plattformen haben Transparenz und Standardisierung ebenfalls gefördert und erleichtern die Beschreibung von Strategien anhand ihrer Ergebnisse sowie den Vergleich von Renditeprofilen verschiedener Formate. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Nutzung von SIX CONNEXOR durch Luma Technologies zur Standardisierung von Referenzdaten und des Lebenszyklusmanagements strukturierter Produkte über Emittenten und Regionen hinweg. Diese Entwicklungen erleichtern es Anlegern, Merkmale zu analysieren und zu vergleichen, um zu entscheiden, wie und wo sie investieren. Durch die Fokussierung auf die Ergebnisse können sie die Strukturen auswählen, die ihren Erwartungen und Zielen am besten entsprechen und so einen reibungsloseren Anlageprozess ermöglichen.

Gleiche Auszahlungslogik, andere Verpackungen

Ein definiertes Ergebnis kann über ein klassisches strukturiertes Produkt, implementiert über eine Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) oder, in bestimmten Märkten, als strukturierter Absicherungs-ETF realisiert werden. Obwohl die Implementierung variiert, ist das zugrunde liegende wirtschaftliche Risiko oft vergleichbar. Diese Anlageformen dienen zunehmend als alternative Ausführungswege für dieselbe Anlagestrategie. Sobald das Auszahlungsziel definiert ist, wird die Produktauswahl zu einer praktischen Entscheidung. Anleger und Berater konzentrieren sich weniger auf Bezeichnungen und mehr auf Aspekte wie steuerliche Behandlung, Liquidität und regulatorische Vorgaben. Die wirtschaftliche Zielsetzung bleibt unverändert, während sich die Rechtsform an die Bedürfnisse der Anleger anpasst.

Dies hat zu einem stärker vergleichenden Ansatz geführt. Klassische strukturierte Produkte, Anleihen, Kapitalanlagegesellschaften und fondsbasierte Lösungen lassen sich zunehmend direkt miteinander vergleichen. Auszahlungsdiagramme und Risiko-Rendite-Profile haben oft mehr Gewicht als Produktnamen und ermöglichen so klarere Vergleiche. Keine einzelne Anlageform ist universell überlegen. Jede bietet je nach Anlegerprofil, Anlagehorizont und operativem Kontext Vorteile. Die zunehmende Möglichkeit, eine ähnliche Auszahlungslogik strukturübergreifend anzuwenden, sorgt für mehr Flexibilität und strukturelle Neutralität bei der Portfoliozusammenstellung.

Koexistenz statt Verdrängung

Das Aufkommen neuer Anlageformen hat Bedenken geweckt, dass Innovationen in einem Bereich auf Kosten anderer gehen könnten. Häufig wird die Frage gestellt, ob bekannte Anlageformen für Privatanleger wie ETFs Kapital von Strukturen abziehen könnten, die traditionell eher institutionellen Anlegern vorbehalten sind.

Eine alternative Sichtweise ist, dass diese Formate sich ergänzen. ETF-basierte Implementierungen können die Markteintrittsbarriere senken, indem sie standardisierten Zugang, Transparenz und Benutzerfreundlichkeit bieten. Die zunehmende Vertrautheit mit ergebnisorientierten Anlagekonzepten kann das Vertrauen der Anleger stärken und im Laufe der Zeit die Nachfrage nach maßgeschneiderten Lösungen steigern, die über strukturierte Produkte, Kapitalanlagegesellschaften oder andere etablierte Anlageformen angeboten werden. Selbst wenn ETF-Strukturen für Emittenten mit gewissen Kapital- oder Bilanzkompromissen verbunden sind, können sie dennoch einen effektiven Weg darstellen, um ergebnisorientiertes Denken einem breiteren Publikum von Privatanlegern näherzubringen.

Diese Entwicklung ist besonders relevant für die Schweiz, wo jahrzehntelange Erfahrung in der Strukturierung von Anlageprodukten eine Investmentkultur geprägt hat, die auf klar definierten Ergebnissen und präziser Auszahlungsplanung basiert. Das kontinuierliche Wachstum innovativer Anlagestrategien spiegelt einen Markt wider, der die Auszahlungsplanung problemlos von der Auszahlungsform trennen kann. Künftig wird das entscheidende Merkmal strukturierter Anlagen nicht mehr die Auszahlungsform sein, sondern die Klarheit des Ergebnisses, die Transparenz des Risiko-Rendite-Verhältnisses und die Disziplin, mit der diese Ergebnisse erzielt werden.

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